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Die St.-Nicolai-Kirche in Nordleda

 

Die kleine Gemeinde Nordleda liegt nur wenige Kilometer von der Elbmündung entfernt.

 

Ein Pfarrer wird in dieser Kirchengemeinde erstmals 1312 urkundlich erwähnt. Die Kirche wurde um 1200 erbaut und ist St. Nicolaus gewidmet. Ihr Kirchturm soll nach seiner Erbauung 230 Fuß hoch gewesen sein (ca. 70 Meter) und sogar den Schiffen auf der Elbe als Seezeichen gedient haben, denn er war noch höher als die Türme in Otterndorf und Altenbruch. Unglücke und Naturgewalten sorgten jedoch dafür, dass er von dieser stolzen Höhe etliche Meter einbüßte und heute nur noch geschätzte 30 Meter hoch ist.

 

1625, zum Beispiel, fiel der Kirchturm einem Sturm zum Opfer und stürzte um. In der Dorfchronik heißt es dazu: " Am 10. Februar war wieder ein schreckliches Erdbeben mit heftigem Sturm. Die Spitze unseres Kirchturms wurde von dem Mauerwerk herabgerissen."

In späteren Jahren ist er noch weitere Male durch Sturm oder Feuer vernichtet worden, was zur Folge hatte, dass er nie mehr in seiner alten Höhe aufgebaut wurde.

 

Der Turm ist mit einer mechanischen Turmuhr versehen, die alle drei Tage von Hand aufgezogen werden muss. Die größere der beiden heutigen Glocken stammt aus dem Jahr 1964. Sie wiegt fast 22 Zentner und ist in der Wilhelmshütte bei Bockenem im Harz gegossen worden.

 

Bei der St. Nicolai-Kirche handelt es sich um eine auf einer Friedhofswurt errichteten Feldsteinkirche. Die dicken großen Feldsteine und gespaltenen Granitfindlinge, die für den Bau aufgeschichtet wurden, sind im unteren Mauerwerk noch sehr gut zu sehen. Ihre jetzige Form mit Chor, Kirchenschiff und Turm erhielt sie erst im Lauf der Jahrhunderte. Das rechteckige, über dreißig Meter lange und gut zwölf Meter breite Kirchenschiff weist eine Mauerstärke von rund 1,20 m auf. Die Höhe des Schiffes beträgt 5,25 m bis zur Unterkante der 25 cm starken Deckenbalken.

Bei Ausschachtungsarbeiten für den Einbau einer Heizung entdeckte man Gräber und Reste der Grundmauer des alten, viel kleineren Kirchenschiffes. Die Erweiterung des Schiffes wurde demnach über dem alten "Gottesacker" gebaut. Der Fund der Grundmauer gab Aufschluss über die Größe des ursprünglichen Kirchenschiffes.

Der obere Teil der Kirchenmauer wurde in späteren Zeiten mit Backsteinen erneuert und nachgebessert, und es wurden Fenstereinbrüche eingefügt.

 

Im Inneren der Kirche fällt gleich die kunstvoll bemalte alte Holzbalkendecke des Kirchenschiffes auf, die laut Inschrift 1648 hergestellt und 1964/65 mit Malereien biblischer Motive verziert worden ist.

1889 wurde auf der Westempore die Orgel vom Orgelbauer Ernst Röver aus Hausneindorf bei Quedlingen (Sachsen Anhalt) erstellt. Sie hat 20 Register, die sich auf 2 Manuale und 1 Pedal verteilt. Es handelt sich um eine typisch romantische Orgel, die mit der sogenannten pneumatische Kastenlade, einer Erfindung Rövers, eine Besonderheit in unserer Region mit ihren zahlreichen Barockorgeln darstellt.

Kanzel und Schalldeckel (1607) sind das Werk von Michael Ringkmakers aus Otterndorf, von dem zahlreiche Kirchenkanzeln im Land Hadeln und Land Wursten stammen.

 

Einer alten gern und lang überlieferten Sage nach, wurde der Altar bei einem Sturm angespült und schließlich in einer regelrechten Rettungsaktion geborgen und in der Dorfkirche zu Nordleda aufgestellt.

 

Die inzwischen weitgehend nachweisbare Vorgeschichte ist aber nicht weniger spektakulär, denn der Altar stand ursprünglich in einer Kirche auf der Insel Altnordstrand. 

 

Die Insel und das Dorf, in welchem sich die Kirche mit dem Altar befand, wurden bei der Sturmflut, der " zweiten großen Manndränke" 1634, fast vollständig zerstört. Viele Bewohner ertranken samt ihrem Vieh. Übrig und einigermaßen unversehrt blieb nur die Kirche mit dem kunstvoll geschnitzten Altar. Dieser wurde dann nach Nordleda verkauft und mit dem Schiff hertransportiert. Er stammt aus der Zeit 1520, und es handelt sich bei ihm um einen hölzernen Flügel- oder Wandelaltar, der auf einem gemauerten Altartisch ruht. Er hat auf beiden Seiten je zwei aufklappbare Doppeltüren. Der mit Gruppen von geschnitzten Figuren im spätgotischen Stil gefüllte Schrein ist 1,94 m hoch und 1,62 m breit. Bei geöffneten Türen zeigt er in insgesamt fünf unterschiedlich großen Feldern die Darstellung der Leiden Christi. Im Inneren der Doppelflügel sind acht Ölgemälde auf Holz zu sehen, mit Motiven aus der Heilsgeschichte.

Ist der Schrein geschlossen, zeigt er die Ölbilder von Moses mit den Gesetzestafeln rechts und Jesus Christus links.

 

Zwei fast lebensgroße, auf Sockeln an der Wand im Altarraum stehende Figuren bilden die Reststücke einer Kreuzigungsgruppe. Sie stellen Maria und Johannes dar und sind aus Eichenholz gefertigt. Die Herkunft ist unklar; die Figuren wurden bei Aufräumarbeiten im Turm entdeckt.

Im Chor sind außerdem an der Wand in einem Figurfries kleinere Apostelfiguren mit Pantokrator aus Eichenholz aufgestellt. Sie wurden 1896 abgelaugt und mit Wachs überzogen. Die Figuren sind von unterschiedlicher Höhe und stammen vermutlich von einem älteren Altar aus dem 15. Jahrhundert.

 

Der Taufkessel aus Bronze befindet sich seit dem Jahre 1878 im Kestnermuseum in Hannover und ist heute Eigentum des Landesmuseums. Von den wunderbaren Epitaphen sind besonders hervorzuheben zwei gerahmte Ölgemälde, auf denen Luther und Melanchthon ungefähr in Lebensgröße zu sehen sind.

 

Kirchenbesichtigungen können im Aushangkasten am Kirchenbüro in Nordleda ersehen werden oder telefonisch bei Ute Hoberg unter 04758/546 vereinbart werden.

 

Ein ausführlicher Kirchenführer ist in der Otterndorfer Altstadtbuchhandlung oder in der Kirche erhältlich.

 

 

 
   
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